Tradition

Die Kunst den Bug eines Schiffes mit Galionsfiguren zu verzieren läßt sich weit durch die Jahrhunderte verfolgen. Man nimmt an, daß dieser Brauch aus dem Verlangen entsprang, freundlich gesonnene Geister einzuladen, Wohnung auf dem Schiff zu nehmen. "See-Skulpturen" und "Meer-Objekte" sind Ausdruck einer durch Phantasie geprägten Wirklichkeit im Angesicht der gewaltigen Naturschauspiele der Meere. Die unendlichen Weiten der See, die Einsamkeit und Verlassenheit eines Schiffes, fördern die Phantasie und verbinden sie mit Gefühl und Erfahrung zu einem Wissensschatz, der die Hochtechnologie der heutigen Segelschiffe genauso wie die Techniken der Windjammer früherer Zeiten bereichert. Mythologie und Aberglaube sind somit natürliche Übergänge zu Gefühl und Erfahrung an der Seite von Satellitennavigation und Radar.So war de Galionsfigur immer schon ein wichtiger Bestandteil, sozusagen die sichtbar gewordene, mit Schiff vermählte Seele, die von der Besatzung gehegt und gepflegt wurde.Das Besondere an dieser maritimen Kunst ist ihre alte Tradition. Seit Menschen Schiffe bauen und die Meere befahren, verzieren sie beschwörend ihre Boote. Sie gehört somit zu den wenigen Kunstbereichen, die sich aus einem alten, völkerkundlichen Hintergrund heraus entwickelt hat und unterscheidet sich von der gängigen Bildhauerei der heutigen Tage.

Sie ist verwandt mit der Kunst der Naturvölker, in denen der Bezug zu Mythologie, Religion und Aberglaube noch spürbar ist.Den gewaltigen Naturschauspielen der Meere ausgesetzt, gaben die Galionsfiguren ihren Schiffen Schutz, Vorausschau und Zuversicht für eine glückliche Fahrt.Wurden Galionsfiguren im Sturm verloren, so galt dies als schlechtes Omen - Schiffe gar ohne Galionen hatten mitunter Schwierigkeiten eine Mannschaft anzuheuern - so erzählt man. Diese Wertschätzung über das Funktionelle eines Segelschiffes hinaus, hatte auch der Urgroßvater Claus Hartmanns, Cpt. Johann Mohrschladt. Er sammelte Galionsfiguren von abgewrackten oder gestrandeten Schiffen und fernen Küsten auf seinen langen Reisen "Round the world". Die Verbundenheit mit der Seefahrt hat für Claus Hartmann daher eine lange Tradition - auch der Vater restaurierte die alten Schätze, erwarb neue hinzu und schuf so eine ansehnliche Sammlung, deren besondere Atmosphäre heute noch im Atelier der Hartmanns auf der Weserinsel herrscht.